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Georg Zeumer
1890 - 1917


  Georg Zeumer wurde am 07. März 1890 in Nicolai/ Oberschlesien [heute Mikolow/ Polen, zehn Kilometer westlich von Kattowitz) geboren. Seine Eltern waren der Industrielle Dr. Johannes 'Hans' Zeumer (Kaufmannssohn aus Dresden) und Ida Tietze (sie entstammte einer wohlhabenden oberschlesischen Familie). Georgs Geschwister waren Johanna (1888 - ), Hans (1891 - 1914), Gertrud (1894 - 1918), Ilse (1896 - ), Heinz (1898 - ) und Fritz (1899 - ).
 
 

Die Familie Zeumer zog vor 1890 nach Nicolai (10 km westlich Kattowitz in Oberschlesien). Vater Zeumer übernahm die Eisenwerke und gründete eine Chemie-Fabrik, die bis 1936/37 in Familienbesitz blieb und vor allem Pflanzenschutzmittel herstellte. Ab 1897 wurde die Villa Zeumer (heute noch 'Willa Zeumera' genannt) in der 'Beuthener Straße 22' (heute: 'ul. Katowicka 22') errichtet.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde diese Region Oberschlesiens dem neu erschaffenen polnischen Staat zugesprochen. Nikolai [ab 1911 mit -k- geschrieben] erhielt den polnischen Namen: Mikolow. Aus dieser Zeit stammt die Postkarte mit deutschem und polnischem Ortsnamen.

Das unterste Bild Zeit die 'Willa Zeumera' im Jahre 2007.
 
    Über die Jugend von Georg Zeumer ist wenig bekannt; bereits in jungen Jahren begeisterte er sich für die Fotografie und betrieb dieses Freizeitvergnügen mit seinen Brüdern. Da sein Vater aus Sachsen stammte (und sie eventuell noch sächsische Bürger waren), leistete er seinen Militärdienst beim Königlich Sächsischen 6. Infanterie-Regiment 'König Wilhelm II. von Württemberg Nr. 105' (Garnison in Straßburg i. Elsass) ab. Da er bei Kriegsausbruch bereits (aktiver) Offizier war, hatte er sich wohl schon in Friedenszeiten für diesen Beruf entschieden. Vor August 1914 absolvierte er die Ausbildung zum Flugzeuführer (wann und wo dieses geschah ist nicht bekannt, über Vorkriegs-Flugzeugführer des Militärs existieren keine Unterlagen mehr. Bei Kriegsausbruch zog er mit der Feldfliegerabteilung 4 (FFA 4) unter der Führung von Wilhelm Haehnelt mit der 5. Armee (XIII. Armee-Korps) in den Kampf.  

  Bereits im November 1914 erhielt er eine sehr hohe sächsische Auszeichnung: Den Militär St. Heinrich Orden. Die Verleihung wurde mit den folgenden Worten begründet: 'Von zahlreichen tief in Feindesland führenden Erkundungsflügen brachte Lt. Zeumer wertvolle Meldungen zurück, die für die höhere Führung von großer Bedeutung waren. Auf einem dieser Erkundungsflüge hat der tapfere Flieger während des Vormarsches der deutschen Armee im Herbst 1914, nur mit einer Pistole bewaffnet, ein englisches mit Maschinengewehr ausgerüstetes Flugzeug angegriffen und in die Flucht geschlagen.'    

    Ab Ende November 1914 flog Zeumer bei der so genannten 'Brieftauben- Abteilung- Ostende' (B. A. O.), die erste deutsche Fliegerabteilung, die speziell für Bomberangriffe aufgestellt worden war. Der ursprüngliche Auftrag hieß: 'Angriff auf Großbritannien'. Allerdings reichte die Leistung der Flugzeuge für diese Langstreckenflüge noch nicht aus. Die B.A.O. griff daher in den Bodenkampf in Flandern mit ein.  

  Ende Mai 1915 wurde Zeumer zur Feldfliegerabteilung 69 an die Ostfront versetzt. Hier wurde ihm der junge Ulanen-Leutnant Manfred Freiherr von Richthofen (der spätere 'Rote Kampfflieger') als Beobachter zugeteilt. Gemeinsam führten sie Aufklärungsflüge für das VI. kuk. Armeekorps bei Brest-Litowsk durch. Ende August 1915 wurde Zeumer wieder zur B. A. O. nach Westen versetzt. Ab Oktober 1915 kam er dann zur B. A. M. (Brieftauben- Abteilung- Metz), auch hier flog er mit Manfred Freiherr von Richthofen in AEG G II-Flugzeugen. Zeumer war es, der dem späteren Jagdflieger von Richthofen ersten Flug-Unterricht in Rethel gab.    

    Die B.A.M. wurde zum Jahreswechsel 1916/ 1917 in Kampfgeschwader 2 umbenannt. Zeumer kam zur Kampfstaffel 8. Dieser gehörte er bis Mai 1916 an, wurde anschließend zum Kampfgeschwader 1 (ehemals B.A.O.) versetzt. In der Nähe des Fort Vaux (bei Verdun) erhielt Zeumer eine Verletzung im Luftkampf. Beim Transport ins Lazarett verunglückte das Fahrzeug, er erlitt einen Bruch des Oberschenkelknochens. Von Natur aus war er kurz gewachsen und leicht gebaut - sodass ihm die Uniform kaum passte. Als Folge des Unglücks blieb ihm ein verkürztes Bein. Darüber hinaus erkrankte - wohl als Folge seiner Verwundung - an der Zuckerkrankheit [an anderem Ort steht TBC, dass stimmt aber laut Aussage der Familie Zeumer nicht und Mutter Richthofen schreibt ebenfalls: Zuckerkrankheit). Vermutlich tat er zwischenzeitig Dienst beim Kampfeinsitzerkommando Avillers (KEK Avillers) bevor er im April 1917 zur Jagdstaffel Boelcke, einer hoch angesehenen Abteilung, gelangte.  

  Die Verschlechterung seiner Gesundheit schritt voran und er war kurz vor seiner Entlassung aus dem Militärdienst (und dem Verbot zu fliegen), als er am 17. Juni 1917 im Luftkampf fiel. Er starb vermutlich durch Douglas/Houghton (No. 59 Sqn, RFC) südöstlich Honnecourt.    

  Wenige Tage später wurde er auf dem Friedhof der protestantischen
St. Johannis-Gemeinde seiner Heimatstadt beigesetzt.



Grab der Familie Zeumer
Zum Gedenken an
unseren lieben Schwiegersohn
Max[imilian] Neubert
Reg[ierungs-]. Baumeister
Leutnant d. Res. im Kgl. Preuss. Inf. Reg. Nr. 82
geb. d. 2. Nov. 1875
gef. d. 8. Sept. 1914
bei Etrepilly
Hier ruhen in Gott unsere geliebten Kinder

Gertrud Zeumer
geb. 6. März 1894
gest. 16. Okt. 1918

Georg Zeumer
Oberlt. im Kgl. Säch. Inf. Rgt. Nr. 105
geb. 7. März 1890
gef. in Luftkampf
am 17. Juni 1917
bei La Terrière

Meine geliebte Frau
Ida Zeumer
geb. Tietze
geb. am 12. Okt. 1866
zu Weißstein
gest. am. 13 Okt. 1927

Unser lieber Vater
Johannes Zeumer
geb. am 19. Jan. 1859
zu Geithain [Sachsen]
gest. am 25. Febr. 1930

Zum Gedenken an unseren lieben Sohn
Hans Zeumer
cand. [...]
Lt. d. Res. im Kgl. Sächs. Leib.-Gren. Reg. Nr. 100
geb. d. 8. Juni 1891
gef. d. 8. Sept. 1914
b. Sompuis [südl. Chalon-sur-Marne]
Anmerkung: Er ruht heute auf der deutschen Kriegsgräberstätte Chambry/ Frankreich] Die Schwester Gertrud steckte sich während einer Hochzeitsfeier mit der Spanischen Grippe an und verstarb an ihr - auch das Brautpaar fiel dieser Krankheit zum Opfer. Er war Offizier-Stellv. in der 12. Kompanie
 
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