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Luftschiff L 59 (LZ 104)
Marine

  Kommandeur:  
  Ludwig Bockholt  

  Angehörige der Besatzung:  
  Heinrich Bott, Peter Bröcker, Friedrich Engelke, Adolf Fuchs, Emil Grussendorf, Bruno Heimann, Kurt Hocke, Ferdinand Holland, Heinrich Maas, Hans Marholz, Wilhelm Müller, Albert Nolk, Heinrich Pabst, Gustav Proll, Albert Rieck, Karl Savoye, Berthold Schilling, Max Schmieder, Karl Schmitz, Richard Schulz, Emil Wald, Bernhard Wiesemann.  

  Details:  
 
Die Besatzung des L59 in dienstfreier Zeit.



Aus dem Deutschen Soldatenkalender 1957:
'Als im Spätherbst des Jahres 1917 der Widerstand der kleinen deutschen Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika unter von Lettow-Vorbeck gegen die Übermacht der Engländer und Portugiesen zu erlahmen drohte, entwickelte von seinem Arbeitszimmer im Reichskolonialamt der frühere Oberstabsarzt der Schutztruppe, Prof. Dr. Zupitza, [...] einen Plan, wie man der tapferen Truppe in den fieberverseuchten Tropen auf dem Luftwege die so notwendigen Medikamente sowie Munition und Verpflegung zuführen konnte. Nicht zuletzt durch die Autorität des greisen Afrikaforschers Georg Schweinfurth gelang es schließlich, die deutsche Admiralität zu überzeugen, dass der Einsatz eines ihrer Marine-Luftschiffe durchaus erfolgversprechend sei.

Das auf der Werft in Staaken im Bau befindliche Luftschiff L 59 wurde deshalb um 30 Meter verlängert und mit fünf besonders starken Maybach-Motoren ausgerüstet. Es konnte schon am 25. Oktober 1917 unter seinem Kommandanten Käpitänleutnant Ludwig Bockholt in Dienst gestellt werden. Mit einer Ladung von vier Eisenbahnwaggons an Bord, darunter 311.000 Patronen und 30 Maschinengewehren, wurde das Luftschiff in einer 28-stündigen Fahrt nach Jambol in Bulgarien, dem deutschen Zeppelinstützpunkt auf dem Balkan, überführt. Auf dieser Fahrt befand sich auch Dr. [Hugo] Eckener an Bord. Wegen der Unmöglichkeit einer Treibstoffversorgung und eines Ausgleichs des Gasverlustes in der Kolonie war eine Rückführung des Luftschiffes nach durchgeführtem Auftrag von vornherein ausgeschlossen, sodass man bemüht sein musste, sebst die Teile der Luftschiffhaut und des Gerüsts möglichst zweckmäßig für die Truppe in Afrika zur Verwendung zu bringen.

Nach einer ersten Ausfahrt am 16. November musst das Luftschiff wegen ungünstiger Wetterlage nach einer Fahrtzeit von 22 Stunden in seinen Balkanhafen zurückkehren, um besseres Wetter abzuwarten. Endlich konnte am 21. November um fünf Uhr morgens der Aufstieg mit dem Zeil Makonde-Hochland in Ostafrika [heute: Tansania], wo man Lettow-Vorbeck vermutete, erfolgen. Der vorraussichtliche Reiseweg betrug 6.757 Kilometer. An Bord befanden sich Prof. Zupitza sowie der Fallschirmspringer Grussendorff [...]. Mit Kurs Adrianopel, das Schwarze Meer umgehend, zog das Luftschiff über die uralte Heerstraße römischer Legionen nach Konstantinopel [heute: Istambul], stieß dann auf das Mittelmeer vor und flog im Geleit einer Kampfstaffel der deutschen Fliegerbesatzung von Smyrna über Kreta zur afrikanischen Küste. In 1.000 Metern Höhe geing es in beschwerlicher Fahrt über die libysche Wüste und über den Sudan entlang der silbernen Gabel des weißen und blauen Nils dahin.

Da erreicht den Kommandanten ein Funkspruch der Großfunkstation Nauen, der ihm den Befehl zur sofortigen Rückkehr übermittelt, da man infolge einer Falschmeldung annahm, dass die tapfere Schutzstruppe Ostafrikas kapituliert hätte. [...] Nach vielfachen Gefahren landete das Luftschiff am 25. November, 8:15 Uhr morgens, nach einer Fahrt von 95 Stunden über drei Erdteile hinweg [...] wieder in seinem Hafen.

[Das Ende:] Am 7. April 1918 ereilte aber das deutsche Afrika-Luftschiff und seine einsatzfreudige Besatzung bei einem Vorstoß das Fliegerschicksal. In der Straße von Otranto soll es von einem englischen Zerstörer abgeschossen worden sein. Das deutsche Unterseeboot U53, dass den Luftkreuzer nach kurz vorher gesehen hatte, suchte die Stätte des Unheils vergeblich nach Überlebenden ab. Die tapfere Besatzung hatte ohne Ausnahme den Heldentod gefunden. Im Park von Jambol an der Tundscha errichtete man ihr einen Gedenkstein.'

Eine zweite Quelle geht davon aus, dass es infolge einer defekten Benzinleitung zu einem Feuer an Bord kam und das Luftschiff innerhalb einer Viertelstunde komplett verbrannte.

Eine dritte Quelle geht davon aus, dass das Luftschiff von italienischer Küstenartillerie in Brand geschossen worden war. Eine Klärung dieser Variante steht noch aus.

Fotoalbum Luftschiff L 59
Ludwig Bockhold, der Kommandeur
Fahrtstrecke nach Afrika
Der Gedenkstein
 


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